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  • Ferdinando De Maria

Umbruch.

Aktualisiert: Mai 31

Wir leben in der Zeit eines grossen gesellschaftlichen Umbruches, möglicherweise vergleichbar mit der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert. Dieser evolutionäre Prozess wird seit mehreren Monaten von einem Mikroorganismus getrieben der die ganze Menschheit vom Tiefschlaf aufrüttelt.

Die Effekte dieses Umbruchs sind in praktisch allen Lebensbereichen sichtbar. Wirtschaftlich prägen uns Mobilität und Globalisierung. Politisch und kulturell sind wir immer stärker mit unserer Umwelt verflochten. Elektronik und neue Kommunikationstechnologien machen uns schon zu einer freiwillig versklavten Informationsgesellschaft.


Auf den Strassen, am Arbeitsplatz und in den Schulen wird uns bewusst, dass wir uns in Richtung einer multi-kulturellen und multi-religiösen Gesellschaft bewegen welche jegliche Grenzsteine sprengt. 

Und ja, dieser gesamtgesellschaftliche Umbruch betrifft auch mein Leben. Ich selbst bin individualistischer geworden und relativiere heute traditionelle und vertraute Werte. Die Formen familiären, partnerschaftlichen und sozialen Zusammenlebens, inbegriffen die Rollen von Frau und Mann, welche sich in grundlegender Veränderung befinden. Unser Freizeit- und Konsum­verhalten ist nicht mehr das gleiche und ist heute fragwürdiger denn je geworden. Eine Vielfalt von neuen Möglichkeiten, Freiheiten und alternativen Formen des Zusammenlebens haben sich entwickelt, welche aber uns heute gleichzeitig zum Verhängnis werden.  Geblieben ist aber die Sehnsucht nach erfülltem, glücklichem Leben und Liebe.  Ich will hier diese Entwicklung nicht bewerten. Sie ist schlicht ein Faktum. Und wie immer in der menschlichen Geschichte enthält sie positive und problematische Elemente. Sicher aber ist, dass so ein Umbruch immer auch ein wegweisender Bruch in einer eingespielten Gesellschaft mit sich bringt. Das gilt für die Rolle des Staates, für Parteien und Vereine, für Familien und soziale Strukturen - und natürlich auch für den einzelnen Menschen, ob Weiblein oder Männlein. 

Es gilt daher heute, die eigene Müdigkeit im Genügen zu müssen, die Angst einer Gegenwart oder Zukunft gegenüber, den inneren Streit und den blutleeren Intellektualismus entschieden hinter sich zu lassen und gemeinsam neu die „reiche Fülle des Lebens“ zu entdecken; zu ergründen, wie die Wiederentdeckung des Selbst unser heutiges Leben auf mannigfache Weise befreien und durchdringen kann.

Der Glaube daran ist kein Hinterhof des Lebens, sondern hat mit dessen Gesamtheit und Tiefe zu tun. Dieser Umbruch verlangt von uns jedoch Kreativität, Mut und Veränderungsbereitschaft. Es muss eine neue Vielfalt von Formen entstehen, in denen unser Leben wieder erlebbar wird und nicht nur funktioniert. Für mich stellt sich daher die Frage nach dem Bleibenden, nach dem Kern, nach dem, wofür wir als Menschen unverrückbar heute stehen. 

Wir können und wir sollen lebendige und achtsame Wesen sein, die sich den gesellschaftlichen Prozessen in aller Offenheit stellen und gleichzeitig genau wissen, wofür sie stehen: Für das Vertrauen zu etwas Höherem, welches uns befähigt zur Liebe und zum Engagement für unsere Mitmenschen. In einem solchen wachen und achtsamen Zustand wird auf vielfältige Weise reiches Leben bezeugt und ein Stück weit erfahrbar auch für Menschen die nichts anderes kennen als ihr eigener Schatten. 


Wir sind ein Teil eines grösseren Ganzen. Deshalb denke ich sollten wir freudig und weltweit solidarisch mit allen Menschen guten Willens kooperieren, mit Menschen anderer Kulturen, Religionen aber auch mit Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur. Wir müssen uns dem konstruktiven Dialog stellen. Wir müssen aber auch mutig und entschlossen  unsere menschlichen Grundwerte die uns teuer sind mit Überzeugung vertreten können. 


Ich wünsche uns allen ein spannendes und gutes 2021.


Eine Veränderung bewirkt stets eine weitere Veränderung.

Niccoló Machiavelli


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